Institutsprofil

Das Institut für Medien, Bildung und Wirtschaft widmet sich im Rahmen von Auftragsforschung der wissenschaftlichen Untersuchung wirtschaftlicher und sozialer Phänomene, die im Zusammenhang mit der Nutzung Neuer Medien auftreten sowie der daran anknüpfenden Beratung öffentlicher Institutionen und privater Unternehmen. Dabei sollen die klassischen Trennungen, wie sie sich einerseits zwischen Wissenschaft und Praxis, andererseits durch die Einteilung in Fachdisziplinen darbieten, überschritten werden – zugunsten einer integrierten wissenschaftlichen Arbeit in deren Zentrum die Nutzung der Neuen Medien für Wirtschaft und Gesellschaft stehen. Die Überwindung dieser traditioneller Trennungslinien, wird als Voraussetzung betrachtet, um den Spezifika der Medienentwicklung gerecht zu werden und um die mit ihnen verknüpften sozialen und wirtschaftlichen Chancen ihrer Nutzung zu erschließen sowie den nicht wünschenswerten Entwicklungen möglichst zeitnah zu entgegnen.
Schwerpunkte der Projektarbeit des Instituts:

Neue Perspektiven für das Medium Fernsehen

Kommunikation und die Wahrnehmung von Kommunikation werden in der Moderne zu großen Teilen über die Medien vermittelt. Niklas Luhmann radikalisiert dies folgendermaßen: “Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben wissen, wissen wir durch die Massenmedien” (Luhmann 1996). Indem Medien die Welt und die Gesellschaft Moment für Moment zum Gegenstand ihrer Kommunikation haben, wirken sie zugleich auf die sozialen Phänomene ein, die sie beschreiben – wodurch sich in einem zirkulären Prozess wiederum die Medieninhalte verändern. In Bezug auf das Fernsehen kann nun davon ausgegangen werden, dass sich über die dargestellten Inhalte eine gemeinsame gesellschaftliche Realität ausbildet: Das Fernsehen konstruiert ein Abbild sozialer Wirklichkeit, mit dem sich die Rezipienten identifizieren und deshalb das Gesehene in ihr persönliches Realitätsbild integrieren: “Medien gewinnen über die Herstellung einer gemeinsamen Realität zunehmend Einfluss auf die Konstruktion sozialer Wirklichkeit, und zwar vornehmlich in allen nicht von persönlicher Erfahrung abgedeckten Bereichen. Ihr Einfluss ist aber auch dort gegenwärtig, wo sie kognitive Mentalitäten verändern und über Mediensozialisation auch scheinbar unvermittelte Erfahrungen beeinflussen (…)” (Sander/Meister 1997).

Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen übernehmen Medien wichtige Aufgaben im Kontext von sozialen Veränderungsprozessen, sowohl absichtsvoll als auch nichtintendiert. Über die Rezeption von zahllosen Interaktionssituationen im Unterhaltungsfernsehen vollzieht sich z. B. eine Entgrenzung von erfahrbaren Situationen und eine Identifikation mit Erfahrungen, die nicht persönlich erlebt wurden. Dadurch öffnet sich der Erfahrungshorizont des Zuschauers, indem größere Handlungsspielräume präsentiert werden, die Sinn- und Sozialwelt pluralisiert und in das eigene Weltbild integriert wird.

Die Kultivierungsthese von Gerbner geht davon aus, dass das Fernsehen ein bestimmtes Welt- und Selbstbild prägt und wurde unter Rückgriff auf Banduras sozial-kognitiver Lerntheorie aufgestellt (siehe hierzu auch Mangold/Soultanian 2002). Beide beziehen sich insbesondere auf die Auswirkungen von Gewaltdarstellungen im TV: Zuschauer erlernen anhand dessen Verhaltensmodelle, die in entsprechenden realen Situation reproduziert werden können, aber nicht müssen. Das Fernsehen trägt als das am Häufigsten genutzte Medium, zur Sozialisation der Individuen bei. Es bildet sowohl eine Enkulturations- als auch eine Akkulturationsinstanz und prägt die Vorstellungen von der Welt über die Darstellung von Rollenbildern, Verhaltenserwartungen und Verhaltensweisen. Dass die rezipierte fiktive Fernsehwirklichkeit in die Vorstellung von der realen Welt hineinreicht, erkennt Gerbner anhand seiner Umfragen. Hier geben Vielseher auf Fragen zur Umwelt und Realität häufiger „TV-Antworten“ – sprich Antworten, die die Verhältnisse der fiktiven Welt widerspiegeln – als Personen, die seltener fernsehen. Schließlich wird die Wahrnehmung der Fernsehinhalte zudem durch Geschlecht und Bildung der Befragten beeinflusst (Gerbner 1986).

Dieses Potential medialer Vermittlung kann über die Pluralisierung und Diffundierung gesellschaftlicher Normen zum einen anomische Zustände herbeiführen, zum anderen diese auch wieder normalisieren: „Die Verbreitung der Massenmedien (v. a. des Fernsehens) öffnet jedoch in jedem noch so abgeschotteten Milieu ein „Fenster in die Welt“ und relativiert ehemals hochstandardisierte Lebensmuster (…)“ (Sander/Meister 1997). Medien können laut Sander/Meister als intermediäre Instanzen anomische Spannungen zwischen Personen mit unterschiedlichen Normen- und Wertmustern lösen, indem sie das „Praktischwerden von Moral unterstützen, ohne selbst moralisch operieren zu müssen“ (Sandner/Meister 1997). Auf diese Weise können im Idealfall Anomia und Anomie durch die Herstellung kollektiv geteilter Normen und Werte reguliert werden. Diese Vermittlung kollidierender Normen und Werte ist in pluralen, differenzierten Gesellschaften von größter Notwendigkeit, da man nicht länger auf die Stabilität einer gemeinsamen übergeordneten normativen Gesamtordnung zurückgreifen kann. Das Fernsehen kann deshalb als intermediäre Instanz eine kollektive soziale Realität konstruieren.

Indes werden durch das Fernsehen keine exakten Vorgaben für gesellschaftliches Verhalten geliefert und folglich findet auch keine unmittelbare Übernahme von Handlungsmodellen statt, die anschließend „mechanisch“ umgesetzt werden. Vielmehr wird durch das Medium ein Angebot an Deutungsschemata, Verhaltenserwartungen und -weisen bereitgestellt, das in realen Alltagssituationen in sozialspezifischer Weise gebrochen zum Einsatz kommt und im Interaktionsprozess weiter ausgehandelt wird (siehe: Bourdieu 1982). Es sind daher vielfältige und komplexe Verarbeitungsprozesse bei der medialen Wirkung zu berücksichtigen. Obgleich diese Prozesse nicht nach einem einfachen Schema des Modelllernens funktionieren und zahlreiche soziale Faktoren intervenieren (insbesondere das soziale Milieu und die mit ihm verbundenen Deutungsschemata), herrscht Konsens darüber, dass die Medien die gesellschaftliche Wirklichkeit beeinflussen. Dies wurde bislang von den unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen, die sich mit den modernen Medien beschäftigen, jedoch vornehmlich konstatiert und vielfach kulturkritisch bewertet.

Das Institut für Medien, Bildung und Wirtschaft widmet sich vor diesem Hintergrund der Frage, wie das Leitmedium Fernsehen in intendierter Weise einen Beitrag zur Bewältigung der gegenwärtigen gesellschaftlichen Herausforderungen leisten kann, nachdem anerkannt werden muss, dass es bereits eine wichtige Rolle im Alltagslernen einnimmt. Diese Aufgaben bestehen u. E. im Wesentlichen in den Prozessen der Inklusion möglichst aller Bevölkerungsgruppen in einen zugleich permanenten Bildungsprozess. Dabei ist der Referenzrahmen durch die gesellschaftspolitische Zielvorstellung einer „Informations- oder Wissensgesellschaft“ gegeben. Das Institut arbeitet somit an der Umsetzung des „livelong learnings“ im Rahmen dieser Zielvorstellung und konzentriert sich insbesondere auf jenes Massenmedium, das einerseits als besonders wirkmächtig bewertet wird und andererseits insbesondere jene Personengruppen erreicht, die mit den klassischen institutionalisierten Bildungsangeboten nicht oder nur unzureichend erreicht werden können.

Exemplarisch wurden daher in den zurückliegenden Jahren die Personengruppen untersucht und als Zielgruppe für eine neue Art von „Bildungsfernsehen“ ausgewählt, die sich durch eine ausgeprägte Ferne zum Bildungssystem und zum Arbeitsmarkt kennzeichnen. Dies sind insbesondere Migranten bzw. Angehörige der unteren sozialen Schichten, wie sie beispielsweise nach der Milieuforschung als traditionsloses Arbeitermilieu (Flaig 2001) bezeichnet werden. Die Mediennutzung dieser Personengruppen ist zugleich besonders stark auf das Fernsehen bzw. auf fiktionale Formate gerichtet (siehe: SevenOne Media (2003/04). Gelingt es nun, und dies ist eine der strategischen Überlegungen der Projektarbeit der letzten Jahre, unterhaltungsorientierte Fernsehformate für bildungsbezogene Impulse zu erschließen, so kann schrittweise eine Ausweitung der Projektarbeit im Sinne einer Übertragung der generierten Erkenntnisse auf alle Bevölkerungsgruppen erfolgen. Durch diese Hintergrundüberlegungen erklärt sich die Fokussierung der Projektarbeit der zurückliegenden Jahre auf Migranten. Nicht zuletzt wird durch die Projektarbeit intendiert, einen Beitrag zur Reformulierung des öffentlich-rechtlichen Auftrags des Fernsehens zu leisten, der die genannten Aufgabenstellungen im Kontext der Wissensgesellschaft durch die Inklusion aller Bevölkerungsgruppen berücksichtigt.

Literaturverzeichnis:
Luhmann, Niklas (1996): Die Realität der Massenmedien. 2. erw. Auflage. Frankfurt/Main.
Sander, Uwe/ Meister, Dorothee M. (1997): Medien und Anomie. Zum relationalen Charakter von Medien in modernen Gesellschaften. In: Heitmeyer, Wilhelm (Hrsg.) (1997): Was treibt die Gesellschaft auseinander? Frankfurt/Main: S. 196-241.
Gerbner, George u. a. (1986): Living with Television: The Dynamics of the Cultivation Process. In: Bryant, J./Zillmann, D. (Hrsg.): Perspectives on Media Effects. New York/London: S. 17-40.
Bourdieu, Pierre (1982): Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Frankfurt/Main.
SevenOne Media (Hrsg.) (2003/04): Die Sinus-Milieus® 2003/04. Lebensstil und TV-Nutzung. Unterföhring.

Weitere Informationen: www.bundesinitiative.org | Projekte

Potentiale neuer Kommunikationstechnologien

Das ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe reagiert mit seiner Forschungs- und Ausstellungstätigkeit auf die rasante Entwicklung der Informationstechnologien und den dadurch ausgelösten Wandel der sozialen Strukturen. Das Institut für Medien, Bildung und Wirtschaft folgt dieser Zielsetzung, indem es einen seiner Arbeitsschwerpunkte auf die Untersuchung der Entstehung, Folgen und Potentiale neuer Technologien legt. Von besonderer Bedeutung ist dabei, dass die Analyse der neuen Technologien aus unterschiedlichen Perspektiven erfolgt: Erst das Zusammenführen von Wissenschaft, privaten und wirtschaftlichen Nutzern und schließlich die öffentliche Präsentation der Ergebnisse vermag es, die bestehenden und zukünftigen Möglichkeiten der medientechnologischen Entwicklung wahrzunehmen, zu analysieren und zu vermitteln.

Aktuelle Kommunikationstechnologien und ihre Einsatzmöglichkeiten wandeln sich derart rasant, dass eine Analyse derselben ihnen nur im Austausch mit den eigentlichen Nutzern auf verschiedenen Ebenen gerecht werden kann. Ziel muss deshalb sein, nicht nur die Technik und Entwicklung neuer Technologien zu erläutern, sondern vor allem die Vorgehensweise, Motive und Ziele der Anwender vorzustellen. Auf diese Weise kann es gelingen, die Neuen Medien in ihrer Wechselwirkung mit demokratischen und ökonomischen Potentialen zu analysieren, denn die veränderte Kommunikationspraxis tritt in Wechselwirkung mit den Formen und Prozessen innerhalb der Gesellschaft. Dadurch, dass sich ein Großteil der Kommunikationsfelder mit der Entwicklung neuer Medientechnologien für die Beteiligung der Bürger öffnet, scheint der öffentliche Diskurs im Sinne des Habermas´schen “Strukturwandels der Öffentlichkeit” (1962) belebt zu werden.

Die Verbreitung des Internet wurde und wird von der Erwartungshaltung von Fortschrittoptimisten auf der einen und Skeptikern auf der anderen Seite begleitet. Die Befürworter der Entwicklung sehen in der Öffnung verschiedener Kommunikationsfelder zugunsten einer breiten Bürgerbeteiligung neue Chancen für die Demokratie – die Skeptiker bezeichnen diese Öffnung jedoch als Trugbild. Das hat 2005 mit der Ausstellung Making Things Public – Atmosphären der Demokratie die Aufmerksamkeit auf neue 51_49 Bedingungen des Demokratischen gelenkt. Komplementär hierzu hat das vom Institut für Medien, Bildung und Wirtschaft konzipierte Ausstellungsprojekt 51:49 – Alle Macht geht vom Volke aus das naiv anmutende Vertrauen in die unmittelbare plebiszitäre Entscheidungsfindung hinterfragt.

Die Chancen, die eine Öffnung von rein sendenden Massenmedien hin zur interaktiven Beteiligung des Publikums bietet, spricht Bertolt Brecht bereits in seiner Rede über den Rundfunk (1932) an. Das Radio als reiner “Distributionsapparat” werde erst dann zu einem “großartigen Kommunikationsapparat”, wenn der Hörer in die Rolle des Sprechers schlüpfen könne. Unter diesen Voraussetzungen könnte das Radio ein “ungeheures Kanalsystem” mit weitreichenden Folgen für die gesellschaftliche Entwicklung werden. Mit der zunehmenden Verbreitung des Internet keimte die Vision von einem solchen gewaltigen Kanalsystem in der Wortschöpfung der”Datenautobahnen” (Gore 1994) erneut auf.

Der von Brecht eingeforderte interaktive Rollentausch scheint sich im Internet bzw. mit den Neuen Medien zu vollziehen. Kommunikationstools wie Weblogs, Podcasting und digitale Videokameras ermöglichen jedermann die Produktion und Sendung von Information. Jedoch bleibt unklar, inwiefern die Teilhabe der Privatleute und ihrer Eigeninteressen an der medialen Öffentlichkeit eine qualitative Veränderung der Massenmedien herbeiführt. Zeichnet sich hier eine “heimliche Medienrevolution” (Möller 2004) ab? Oder sind jene neuen Kommunikationstechnologien nur scheinbar herrschaftsfrei bzw. diskursiv und führen vielmehr eine problematische Entgrenzung der Kommunikationsformen herbei? In diesem Fall verwischen die Grenzen, zum Beispiel zwischen Marketing und Journalismus bzw. offenem Diskurs, wobei dem Einzelnen die notwendigen Orientierungshilfen zwischen interessenvermittelter Information, recherchierten Inhalten und privatem Kommentar bewusst vorenthalten werden.

Berücksichtigung müssen demnach auch jene Aspekte finden, welche die Hoffnungen der Netz- und Medienutopisten schmälern. Die Idee einer uneingeschränkten Teilhabe aller an der medientechnologischen Entwicklung wird durch die ungleich verteilte Nutzungsmöglichkeit jener Kommunikationstechnologien in ihre Schranken verwiesen und unter dem Stichwort “digital divide” diskutiert. Neben den Defiziten einer Verteilung der Ressourcen auf der einen Seite, wird auf der anderen Seite der Bereich der Medienkompetenz häufig unterschätzt. Das Institut für Medien und Wirtschaft beschäftigt sich deshalb explizit auch damit, das Heranführen an die Technologien zu fördern und den Umgang mit Neuen Medien spielerisch zu vermitteln.

Doch auch für den Bereich der Wirtschaft, ist die Entfaltung der medientechnologischen Entwicklung von ausschlaggebender Bedeutung. Hier verändern sich nicht nur die Abläufe der Produktion, sondern vor allem auch die Beziehung zwischen Produzent und Konsument. Letzterer erhält durch den erschwinglichen Kauf und die einfache Handhabung neuer Kommunikationstechnologien die Gelegenheit, eine aktive Rolle einzunehmen. Kommunikation steht demzufolge sowohl für den einzelnen Nutzer als auch für die Ökonomie im Zentrum der Entwicklung – was von den amerikanischen Autoren des “Cluetrain Manifests” bereits 1999 erkannt worden ist. Dieses Manifest bekräftigt in Form von 95 Thesen, dass im Zeitalter neuer Kommunikationskanäle Märkte als Gespräche zu verstehen und entsprechend zu handhaben sind. Infolgedessen muss sich das Angebot und die Ansprache der Unternehmen gegenüber den Kunden wandeln – doch dies ist als Lernprozess zu verstehen, dem die Wirtschaft nur dann standhalten kann, wenn sie die medientechnologische Entwicklung verfolgt und entsprechend verarbeitet. Neue Kommunikationsmedien zeitigen demnach verschiedene Formen der Wechselwirkung zwischen Staat, Bürger, Massenmedien und Ökonomie. Hieraus entstehen vielfältige Spannungsfelder und Vernetzungen, die jedoch sowohl von Seiten der Forschung, aber auch von Seiten der Praxis kaum bzw. unzureichend in Betracht gezogen werden. Aufgrund dessen leistet das Institut für Medien, Bildung und Wirtschaft – durch die führzeitige Wahrnehmung, das Zusammenführen von Wissenschaft und Praxis sowie die Vermittlung der Ergebnisse an die Öffentlichkeit – einen Beitrag für die Untersuchung der Potentiale der neuen Kommunikationstechnologien.

Literaturverzeichnis:
Habermas, Jürgen (1962/1990): Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft. Neuwied/Berlin.
Brecht, Bertolt (1932): Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. Rede über die Funktion des Rundfunks. In: Bertolt Brecht (1992): Werke, Schriften I (1914-1933). Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe Band 21. Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, Suhrkamp-Verlag, Frankfurt/Main: S. 552-557.
Möller, Erik (2004): Die heimliche Medienrevolution. Telepolis-Schriftenreihe, Heise-Verlag. Heidelberg.

Weitere Informationen:
51:49 – Alle Macht geht vom Volke aus
KunstComputerWerke
Tagung: Weblog, Podcasting und Videojournalismus
DGPuK-Tagung: Computervermittelte Kommunikation als Kommunikation
MAI-Tagung 2007: museums and the internet
Konferenz: ICH, WIR & DIE ANDEREN

Neue Medien und Wirtschaft

Viele Projekte des Instituts haben ihren Ursprung in betrieblichen Problemlagen oder in generellen wirtschaftspolitischen Aufgabenstellungen und werden demzufolge in anderen Arbeitsschwerpunkten des Instituts bearbeitet. Dabei sind diese aus dem wirtschaftlichen Bereich kommenden Aufgabenstellungen überwiegend mit Fragestellungen der Bildung und des Einsatzes von Neuen Medien verknüpft. Hierzu zählen beispielsweise die im Jahr 2003 gemeinsam mit der BMW AG und dem Technologieunternehmen Vircinity am ZKM durchgeführten Workshops zur Visualisierungstechnologie. Ziel dieser Workshops war die Erschließung der Potentiale zur Aus- und Weiterbildung in der Automobilindustrie durch den Einsatz von modernen Visualisierungsverfahren.

Insgesamt liegen die Lösungen für Aufgabenstellungen aus den Unternehmen oftmals nicht im wirtschaftlichen Bereich, sondern außerhalb desselben. Diese Erkenntnis war einer der Ausgangspunkte für die Gründung des Instituts für Medien und Wirtschaft am ZKM. Beispielhaft kann dies am Thema des Fachkräftemangels bzw. der öffentlich geförderten Beschäftigung exemplifiziert werden, der als Aufgabenstellung genuin ökonomisch bzw. beschäftigungspolitisch ist, jedoch mit den traditionellen Vorgehensweisen nicht befriedigend bewältigt werden kann (Siehe hierzu die Vorarbeiten von Mangold (ESF-Evaluierungen 2001 und 1996) im Auftrag des Ministeriums für Arbeit und Soziales Baden-Württemberg). An diese Erkenntnis knüpfen die Projekte im Bereich “Neue Perspektiven für das Medium Fernsehen”: Diese sind ein Beitrag zur Verstetigung der Bildungsprozesse sowie ein Versuch der Inklusion aller Bevölkerungsgruppen in das lebenslange Lernen, wie sie von Seiten der Wirtschaft sowie der nationalen und europäischen Politik zur zentralen Aufgabe der kommenden Jahre erhoben wurden.

kucowe

Auch die Ausstellungsprojekte des Instituts greifen wirtschaftliche Fragestellungen auf und bearbeiten sie mit Mitteln der Neuen Medien. So beispielsweise die Ausstellung 51:49 – Alle Macht geht vom Volke aus, die das so genannte „Arrows-Paradoxon“ thematisiert. Schließlich aber auch die im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2006 durchgeführte Veranstaltung KunstComputerWerke, die neben anderen Zielen auch zur Steigerung der Attraktivität und Bekanntheit der TechnologieRegion Karlsruhe beitragen soll.

Den im engeren Sinne wirtschaftlich ausgerichteten Projekten des Instituts liegen ordnungspolitische Vorstellungen zugrunde, die darauf abzielen, Entscheidungsträger zu einem möglichst frühen Zeitpunkt möglichst detailliert über spezifische Entwicklungen in Kenntnis zu setzen. Diese wirtschaftspolitisch in der Bundesrepublik Deutschland bereits sehr früh gefasste Erkenntnis soll dazu beitragen, mit allenfalls geringen Markteingriffen, somit ordnungspolitisch unbedenklich und zugleich ressourcenschonend, unerwünschte Entwicklungen zu vermeiden. In Zeiten enorm beschleunigter technologischer Wandlungsprozesse und fragiler Prozesse wirtschaftlichen Wachstums sind diese Anforderungen an orts- und zeitnahen sowie detaillierten Informationen für Entscheidungsträger von noch größerer Bedeutung als je zuvor. Vor diesem Hintergrund wurde am Institut eine bereits in früheren Projektarbeiten am Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung Tübingen (IAW) Anfang der 1990er Jahre aufgenommene Monitoring-Berichterstattung für den baden-württembergischen Wohnungsmarkt auf den Bereich der Medientechnologie- und Medienwirtschaftsentwicklung für das Bundesland Baden-Württemberg adaptiert und vorbereitet.

plakat_weblog

Dieser ordnungspolitische Grundgedanke ist auch leitend für eine Reihe von Beiträgen zu Veranstaltungen an denen das Institut mitgewirkt hat bzw. die von ihm organisiert wurden. Dies gilt für zwei Fachveranstaltungen zum Thema Kabelfernsehen und die von der Fritz Thyssen Stiftung geförderte Veranstaltung Weblogs, Podcasting und Videojournalismus – Neue Medien zwischen demokratischen und ökonomischen Potentialen. Generell gilt es, die medientechnologischen Potentiale möglichst frühzeitig zu erkennen, um wünschenswerte Tendenzen zu unterstützen und unerwünschte Entwicklungen zu bremsen oder bestenfalls zu verhindern. Wünschenswert sind hierbei Impulse für die (regionale) Wirtschaft sowie für die sozialverträgliche Nutzung neuer Technologien, wie sie insbesondere im Zusammenhang mit der beruflichen und allgemeinen Bildung möglich werden. Wünschenswert sind außerdem Impulse zur Integration von Migranten in das bundesdeutsche Bildungssystem, nicht zuletzt um dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel zu entgegnen – jedoch auch um einen Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit zu leisten. Dies wird im Rahmen der nicht primär wirtschaftsbezogenen, bei näherer Betrachtung jedoch bezüglich der Verfügbarkeit über Humankapital durchaus wirtschaftlich relevanten Projektarbeit, im Rahmen der “Bundesinitiative Integration und Fernsehen” unternommen. Die Unterstützung dieser Projektarbeit von Seiten der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände ist daher Ausdruck der Konvergenz dieser Ziele bezüglich Wirtschaft, Kultur und Bildung

 

 

Projekte und Veranstaltungen
Medienwirtschafts- und Medientechnologiemonitor Baden-Württemberg

Ideenwettbewerb: Der betriebliche Knowledge Master – Ein Pilotprojekt zum mediengestützten Management von betrieblichem Erfahrungswissen

Entwicklung der webbasierten Stadtkarte im Auftrag der Stadt Karlsruhe

Projekt “Dichotomer Bestimmungsschlüssel” im Auftrag der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, Institut für Naturwissenschaften

Workshop mit BMW AG und Vircinity, 5. Juni 2003

Podiumsdiskussion: Gesprächskreis Medien und Kommunikation, 6. April 2005

Dynamische Region – dynamisches Europa. Die Zuk

 

Das Institut für Medien, Bildung und Wirtschaft hat in den zurückliegenden Jahren Aufgabenstellungen aus dem Bereich der Wirtschaft, der öffentlichen Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik, der Bildungs- sowie der Sozialpolitik übernommen, mit Hilfe wissenschaftlich und praktisch ausgerichteter Medienprojekte bearbeitet und neue Lösungen entwickelt. So wurde mit den ersten Projekten des Instituts eine bis an den aktuellen Rand reichende und sich stetig fortsetzende Forschungslinie begründet, die sich auf die Entwicklung effizienter und nachhaltiger Lösungen insbesondere für den Bereich der Bildung und mittelbar für den Bereich der Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik richtet.

Ein inhaltlicher und methodischer Schwerpunkt der Forschungsarbeit des Instituts bestand in den zurückliegenden Jahren darin, gesellschaftspolitische Potentiale insbesondere im Kontext des Fernsehens und des Internets zu erschließen. Dabei geht es zunächst um die Aufarbeitung unterschiedlicher medialer Entwicklungen und den Austausch mit Wissenschaftlern und Praktikern über diese Befunde – schließlich aber auch um Anwendungsentwicklungen und die Vermittlung der Ergebnisse an eine interessierte Öffentlichkeit, die Wirtschaft, aber auch an Medienvertreter und die Politik. Entsprechend vielgliedrig sind die Ergebnisse der Projektarbeit, die u. a. in öffentliche Veranstaltungen, Lehrveranstaltungen der Universitäten, Fachpublikationen, Workshops, Filmprojekte und auch in traditionelle Gutachten münden.


 

Die Entwicklung der Neuen Medien

Die Rechenleistung von Electronic Numerical Integrator and Computer (ENIAC), dem ersten ‘elektronischen Gehirn’, wurde 1946 enthusiastisch gefeiert. Heute haben bereits ca. 47 Prozent der bundesdeutschen Haushalte einen Computer und knapp ein Drittel der 12- bis 19-Jährigen geht täglich oder mehrmals in der Woche online. Mit dieser Entwicklung sind weitreichende Veränderungen in nahezu allen Lebensbereichen verbunden.

eniac

Quelle: IBM Deutschland GmbH

Der ENIAC wurde während des 2. Weltkrieges für militärische Zwecke entwickelt. Der nun “altertümliche” ENIAC benötigte 140 Quadratmeter Grundfläche. Bis zum Jahre 1955 führte ENIAC mehr Berechnungen durch als die gesamte Menschheit bis 1945.

Die Zielsetzung der Arbeit des ZKM | Institut für Medien, Bildung und Wirtschaft ist die wissenschaftliche Erforschung wirtschaftlicher und sozialer Phänomene, die im Zusammenhang mit der Nutzung neuer Medien auftreten sowie die daran anknüpfende Beratung öffentlicher Institutionen und privater Unternehmen.


 

Medien, Bildung und Wirtschaft am ZKM

Das Institut für Medien, Bildung und Wirtschaft widmet sich im Rahmen von Auftragsforschung der Untersuchung der durch die verstärkte Nutzung der Neuen Medien in Gang gesetzten wirtschaftlichen und sozialen Prozesse. Die dabei gewonnene Kenntnisse stellen auch eine wichtige Basis für eigene medientechnologische Entwicklungen dar.

Die Einbindung der Wirtschafts- und Sozialforschung ermöglicht es, die Entwicklungstendenzen der Neuen Medien früh zu erkennen und diese Erkenntnisse für unterschiedliche Forschungsdisziplinen sowie für Wirtschaft und Politik fruchtbar zu machen. Die Wirtschafts- und Sozialforschung muss so nicht zu einem späteren Zeitpunkt von Außen an den Gegenstand “herangetragen” werden, wie es bei traditioneller Forschung der Fall ist, sondern ist bereits in der Entstehungsphase mit dem Gegenstand verbunden.

Diese enge Verknüpfung von Wirtschafts- und Sozialforschung mit der Medientechnologie bringt in mehrerer Hinsicht entscheidende Vorteile. So kann die wissenschaftliche Politikberatung die verantwortlichen Akteure frühzeitg und detailliert über relevante Veränderungen in den Neuen Medien informieren. Eventuell notwendige Steuerungsmaßnahmen können auf diese Weise rasch, mit geringem Aufwand und ordnungspolitisch schonend realisiert werden. Für private Unternehmen, Verbände, Öffentlichkeit und auch Politik erschließen sich durch die Integration der Wirtschafts- und Sozialforschung mit aktuellen medientechnologischen Entwicklungen innovative Anwendungsmöglichkeiten der Neuen Medien.

Um diese Ziele erreichen zu können, sind außer einer interdisziplinären und antizipativen Forschungsausrichtung eine enge Wechselbeziehung zwischen wissenschaftlicher Theoriebildung, empirischer Forschung und anwendungsorientierter Beratung erforderlich.

Das vor diesem Hintergrund bearbeitete Forschungsprogramm weist ein interdisziplinäres Spektrum mit den folgenden aktuellen Schwerpunkten auf:

  • Neue Medien im Alltag und am Arbeitsplatz
  • Neue Medien als innovative Bildungsinstrumente
  • Mediengestützte Informationssysteme für die Wirtschaft

Auftraggeber des Instituts sind die Europäische Union, Bundes- und Landesministerien, Kommunen, wissenschaftliche Stiftungen sowie private Unternehmen.